Fragwürdige Studie des Weltwirtschaftsforums

Deutschland verliert 31 Plätze in Sicherheits-Ranking

20. April 2017

In einer aktuellen Studie des Weltwirtschaftsforums landet Deutschland zwar im Gesamt-Ranking der besten Reiseziele auf Platz drei, doch schaut man sich die Sub-Kategorie „Sicherheit“ an, liegen wir hinter Ländern wie Ruanda, Kuwait oder Tadschikistan. Ganze 31 Plätze hat Deutschland im Vergleich zur letzten Studie eingebüßt. Warum man das Ergebnis mit Vorsicht betrachten sollte.

Die Stiftung ist vor allem für das gleichnamige Treffen von Politikern, Unternehmern und Medien in Davos bekannt.

Befragt wurden in zwei Wellen (Februar bis Mai 2015 und Februar bis Mai 2016)  Tausende Geschäftsleute aus aller Welt, die unter dem Punkt „Safety and Security“ Faktoren bewerten sollten wie unter anderem die Zuverlässigkeit der Polizei, die Kosten durch Kriminalität und Gewalt sowie durch Terrorismus. „Aus Deutschland kamen etwa 200 Antworten von Geschäftsführern“, sagt Roberto Crotti, Mitautor der Studie, zu TRAVELBOOK.

Darüber hinaus wurden auch objektive Daten einbezogen: die Mordrate (2014 bis kurz vor Abschluss der Studie) und terroristische Ereignisse (2013 bis 2015).

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Terrorismus soll auch der Grund sein, warum Deutschland im weltweiten Ranking von insgesamt 136 verglichenen Ländern um ganze 31 Plätze abgestürzt ist und nun auf Platz 51 liegt. Die Anschläge in Europa hätten nach Angaben der Studie die Sicherheitswahrnehmung verändert. Das Reiseverhalten habe dies allerdings, wenn überhaupt, nur kurzfristig beeinflusst.

Roberto Crotti zu TRAVELBOOK: „Vor allem die Angst vor dem Terror und die gefühlte Abnahme der Verlässlichkeit der deutschen Polizei haben zu diesem Ergebnis geführt. Viele Unternehmer fürchten natürlich, dass durch den Terrorismus ihr Geschäft leiden könnte.“

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Warum die Studie fragwürdig ist

Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt müsste also einen entscheidenden Einfluss auf die Verschlechterung Deutschlands im Ranking gehabt haben, müsste man meinen. Schließlich basiert das Ranking „vor allem auf der Wahrnehmung der Menschen, die wir befragt haben“, erklärt auch Crotti. Aber diese wurden vor dem Anschlag befragt.

Und auch die anderen Daten sind vorher erhoben worden (siehe oben), was auch die Macher der Studie in der Erklärung der Methodologie schreiben.

Schaut man sich schließlich die Quelle für den Faktor Terrorismus an, so wird es noch zweifelhafter. Denn Basis ist die „Global Terrorism Database“ der Universität Maryland (USA) – und die Daten für Deutschland sind durchaus fragwürdig, weil darin auch Vorfälle auftauchen, bei denen ein terroristischer Zusammenhang nicht nachgewiesen werden konnte oder es schlichtweg keinen gab. Beispiel: Für den 3. November 2015 wird ein Vorfall in Pforzheim mit vier Toten aufgelistet, im Detail heißt es: „Asylbewerber haben einen Brand in einer Asylunterkunft in Pforzheim, Baden-Württemberg, gelegt. Vier Menschen wurden getötet, und vier weitere wurden verletzt. Keine Gruppe hat den Vorfall für sich reklamiert.“

Merkwürdig ist nicht nur, dass er trotzdem als Terrorismus eingestuft wurde, sondern auch: dass es an diesem Tag gar keinen Vorfall mit vier Toten gab. Auch der Polizei Karlsruhe, die auch für Pforzheim zuständig ist, sei nichts bekannt, wie Sprecher Ralf Minet auf TRAVELBOOK-Anfrage bestätigt.

Mögliche Erklärung: In die Datenbank wurde ein Unfall im Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses aufgenommen, bei dem vier rumänische Arbeiter ums Leben gekommen waren. Dieser fand allerdings bereits im Oktober 2015 statt, und die Ursache war laut Staatsanwaltschaft „ein technischer Defekt oder der unsachgemäße Umgang mit einem gasbetriebenen Heizgerät“. Kein Brandanschlag.

Angesichts dessen sollte man die schlechte Platzierung Deutschlands infrage stellen.

Hier die Platzierungen im Sicherheits-Ranking des „Travel and Tourism Competitiveness Report 2017“

1. Finnland
2. Vereinigte Arabische Emirate
3. Island
4. Oman
5. Hongkong
6. Singapur
7. Norwegen
8. Schweiz
9. Ruanda
10. Katar
11. Portugal
12. Luxemburg
13. Neuseeland
14. Österreich
15. Estland

[...]

48. Polen
49. Tadschikistan
50. Mongolei
51. Deutschland
52. Gambia
53. Griechenland

[...]

126. Philippinen
127. Ukraine
128. Honduras
129. Kenia
130. Ägypten
131. Venezuela
132. Nigeria
133. Pakistan
134. El Salvador
135.  Jemen
136. Kolumbien

Hier finden Sie das gesamte Sicherheits-Ranking.

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Im Haupt-Ranking der Tourismusanalyse schnitt Deutschland jedoch auf einem sehr guten dritten Platz ab. Absolute Weltspitze ist die Bundesrepublik sogar bei „Gesundheit und Hygiene“. In der Kategorie „Umwelt und Nachhaltigkeit“ sicherte man sich den siebten Platz, Rang neun bei der „Touristischen Infrastruktur“. In puncto „Internationale Offenheit“ ist Deutschland in den Top 20.

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