Was mit Kriminellen an Bord passiert

Gibt's auf Kreuzfahrtschiffen eigentlich ein Gefängnis?

Friederike Koenig, 19. Mai 2017

Die Crew, und insbesondere der Kapitän, muss an Bord von Kreuzfahrtschiffen für jedmöglichen Ernstfall, der eintreten kann, gewappnet sein. Zum Beispiel auch dann, wenn es auf hoher See zu Kriminalität kommt. Was passiert also mit Übeltätern? Wer nimmt sie fest, und wo und wie werden sie festgehalten? TRAVELBOOK hat bei einem Experten nachgefragt.

Ein Kreuzfahrtschiff ist wie ein schwimmendes Dorf, auf dem die gleichen Dinge wie auch an Land passieren können. Dazu gehören auch kleinkriminelle Delikte und größere Gewaltverbrechen. Doch was kann die Crew mit Kriminellen tun, wenn der nächste Hafen mitsamt der örtlichen Polizei mitunter mehrere Seetage entfernt liegt? Gibt es extra Gefängniszellen an Bord?

„Nein“, sagt Helge Grammerstorf, National Director vom Kreuzfahrtverband CLIA Deutschland. „In der Historie der Seefahrt gab es verschiedene Maßnahmen, wie man mit Kriminellen umgegangen ist. So hat man sie beispielsweise Haien zum Fraß vorgeworfen oder auf einem Ruderboot ausgesetzt. Doch das ist Geschichte, und zum Teil auch erfundene Geschichte.“ , so Grammerstorf

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Kapitän kann Kriminelle fesseln lassen

Die Kabine wird von außen versperrt, der Passagier sitzt also fest. Sollte die herkömmliche Verriegelung der Kabinentür nicht ausreichen, „stellt man notfalls einen kräftigen Matrosen vor die Tür“, erklärt Grammerstorf. Auch kann der Kapitän anordnen, den Kriminellen zu fesseln. „Das geschieht aber ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht, in diesem Fall unter der des Schiffsarztes. Es muss sichergestellt werden, dass der betroffene Mensch so gut wie möglich behandelt und nicht verletzt wird“, so der Experte weiter.

Zwar gibt es laut Grammerstorf auch Arresträume an Bord mancher Schiffe, doch handelt es sich dabei mehr um Fährschiffe, bei denen Passagiere ohne Unterkunft mitfahren. „Auf einem Kreuzfahrtschiff bietet sich die Kabine eben an.“

Speziell ausgebildete Mitarbeiter an Bord

„An Bord der Mein-Schiff-Flotte haben wir eine Security-Abteilung, die als Sicherheitsdienst an Bord arbeitet“, so eine Sprecherin von Tui Cruises. Geleitet wird sie von einem Chief Security Officer, der meist eine militärische oder polizeiliche Ausbildung hat und über ermittlungstaktische Grundlagen verfügt.

Die Reederei Aida Cruises hat ein „erfahrenes und gut ausgebildetes internationales Team von Sicherheitskräften“ an Bord, das jederzeit die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz von Gästen, Crew und Schiff ergreifen könne, so eine Sprecherin.

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Kriminelle werden im nächsten Hafen der Polizei übergeben

Grundsätzlich gilt auf einem Schiff das Rechtssystem des Landes, unter dessen Flagge es unterwegs ist. Weil ein Kapitän keine Untersuchungen anstellen darf, keine richterliche Kompetenzen hat und keine Strafen verhängen kann, beschränkt sich sein Handeln ausschließlich auf das Festsetzen.

In der Regel wird der Kriminelle im nächsten Hafen den örtlichen Behörden bzw. der dortigen Polizei übergeben. Für diese Abläufe sind zum Beispiel bei Tui Cruises flottenweit festgelegte Prozesse und Prozeduren festgeschrieben, heißt es.

Im Ernstfall bedeutet das auch, dass Kriminelle damit rechnen müssen, beispielsweise bei einer Karibik-Kreuzfahrt mit Station in Cancún in einem mexikanischen Gefängnis zu landen.

Wenig Kriminalität auf Kreuzfahrschiffen

Ob es wirklich dazu kommt, die Person überhaupt in heikleren Fällen übergeben wird, und nach welchem Länderrecht sie schließlich bestraft wird, sind Einzelfall-Entscheidungen, die unter Umständen nach Rücksprache mit Reedereien und verschiedenen nationalen Behörden getroffen werden.

Helge Grammerstorf zufolge gibt es grundsätzlich wenig Kriminalität auf Kreuzfahrtschiffen, was daran liegen könnte, dass ein Schiff auf hoher See, „wenig Platz zum Verstecken und Flüchten bietet“.

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